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Mit einem Kranz wurde der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht, der am 26. April 1945 im Emsland zu Ende ging.

Landkreis Emsland vom 27.04.2005

Vergangenheit öffnet Augen für die Zukunft
Landkreis erinnert an Kriegsende am 26. April 1945

Mit einer zentralen Gedenkfeier auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrations- und Strafgefangenenlager in Esterwegen erinnerte der Landkreis Emsland an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren. Landtagspräsident Jürgen Gansäuer warnte vor 200 Zuhörern davor, einen Schlussstrich unter die Zeit des Nationalsozialismus zu ziehen.

Vor der Veranstaltung hatten Gansäuer und Landrat Hermann Bröring auf dem Gelände einen Kranz niedergelegt. Das Lager Esterwegen war von 1933 bis 1936 Konzentrations-, danach bis 1945 Strafgefangenenlager. Bekanntester Häftling war der Nobelpreisträger Carl von Ossietzky. Nach letzten Erkenntnissen sind bis 1945 in den 15 sogenannten Emslandlagern mehr als 25.000 Inhaftierte gestorben.

Bröring erinnerte in seiner Ansprache an das Kriegsende im Emsland. Am 26. April 1945 überschritten alliierte Truppen, nachdem das Emsland in den Tagen zuvor von Südwesten aus durchquert worden war, den Küstenkanal bei Esterwegen. Bis dahin war es besonders in Sögel und Werlte noch zu erheblichen Kämpfen mit deutschen Widerstandskämpfern gekommen. Unmittelbar nach der Befreiung wurden in Lingen, Meppen und Papenburg bereits provisorische Kreisverwaltungen eingesetzt.

Gansäuer sprach von einer Kette, die mit der Machtergreifung Hitlers seinen Anfang nahm und am 8. Mai mit der Kapitulation als letztes Glied geschlossen worden sei. Nach 60 Jahren einen Schlussstrich zu ziehen sei falsch, denn „wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, ist blind für Gegenwart und Zukunft“, so der Landtagspräsident. Er mahnte ein aktives Eintreten gegen Intoleranz und Geschichtsfälschung im Alltag an, damit die „Giftsaat“ nicht wieder gesellschaftsfähig werde. Konkret nannte er den Einzug der rechtsnationalen NPD in den sächsischen Landtag.

Aus seiner Sicht gingen vom Gedenken an das Kriegsende zwei Botschaften aus. Einerseits sei die Erinnerung eine Mahnung, die Opfer nicht zu vergessen. Die andere sei die hoffnungsvolle, dass ein Leben in Frieden und Freiheit möglich seien, wenn die richtigen Lehren aus der Geschichte gezogen würden.

Ems-Zeitung vom 13.04.2005

„Bürgermeister Ahlers war schon zum Tod verurteilt"

Bislang unbekannte Notizen in Oberlangen vorgestellt

Oberlangen (ra)

Ungeteilte Aufmerksamkeit erntete der Vorsitzende des Heimatvereins Oberlangen, Gerhard Raming-Freesen, als er auf der Jahreshauptversammlung in seinem Vortrag über die letzten Kriegstage im April 1945 aus bislang unveröffentlichten Aktenvermerken des damaligen Bürgermeisters Gerhard Ahlers zitierte.

So referierte der Vorsitzende, der sich seit vielen Jahren intensiv mit der Geschichte der alten Emsgemeinde beschäftigt, über die letzten Kriegstage mit Blick auf das „Lager VI", wo im April 1945 rund l 750 polnische Frauen untergebracht waren. Dabei handelte es sich um Soldatinnen der polnischen Heimatarmee, die nach dem Scheitern des Warschauer Aufstandes in Gefangenschaft geraten und nach einer Odyssee durch deutsche Gefangenenlager schließlich nach Oberlangen gelangt waren.

Nach einem von Gerd Raming-Freesen zitierten Aktenvermerk des damaligen Oberlangener Bürgermeisters Gerhard Ahlers wurde der Ratsvorsitzende am 4. April 1945 durch den Oberzahlmeister des „Lagers VI Oberlangen" darüber informiert, dass sich zu diesem Zeitpunkt nur noch 17 deutsche Wehrmachtsangehörige zur Bewachung und Verwaltung im Lager befanden. „Die Lebensmittelvorräte für die Insassen sind fast restlos erschöpft und reichen höchstens noch für 24 Stunden", heißt es in dem Hilferuf des Oberzahlmeisters. Gerhard Ahlers hat laut Vermerk unverzüglich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Lebensmittel zu beschaffen. „Es gelang mir, zu erreichen, dass sofort größere Kartoffelvorrate aus den Beständen der Staatlichen Moorverwaltung in das Lager geschafft wurden", notierte er. Ferner habe er „ein Gespann zum Einsammeln von Lebensmitteln in Oberlangen von Haus zu Haus fahren lassen."

Am 7. April 1945, so zitierte Raming-Freesen aus dem Vermerk des Oberlangener Ratsvorsitzenden weiter, habe ihn der Kreisleiter der NSDAP, Buscher, zu sich gerufen, um sich über die Lage im Lager VI berichten zu lassen. Buscher, so Ahlers, habe seinen Unwillen über die Hilfsmaßnahme geäußert und sich mit der Frage an den Kompanieführer gewandt, „ob ausreichend Munition zur Verfügung stünde." Dies sei bejaht worden. „Und nach kurzer Unterhaltung sagte der Kreisleiter zum Kompanieführer, dass erforderlichenfalls das Lager zusammengeschossen werden müsste", notierte Ahlers, der zwei Tage später einen öffentlichen Aufruf an die Bevölkerung von Ober- und Niederlangen erließ, „bis zum Eintreffen der alliierten Truppen die Versorgung des Frauenlagers mit Lebensmitteln aus eigenen Beständen zu sichern." Später habe Ahlers erfahren, dass er für diesen „Landesverrat" am 13. April in Abwesenheit von der Kreisleitung zum Tode verurteilt worden sei. Nur wegen der an diesem Tage erfolgten Besetzung Oberlangens durch die Alliierten soll das Urteil nicht mehr vollstreckt worden sein.

Im Regularienteil der Versammlung blickte Gerd Raming-Freesen noch einmal zurück und schloss einem Dank an alle, die sich in den Dienst des Heimatvereins gestellt hätten: Das Heimathaus-Team, die Trachtengruppe und den Arbeitern im Bauerngarten.