Ems-Zeitung vom 10.04.1995

Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Lathen: Zeitzeugen berichten

17 Lathener Häuser in Schutt und Asche gelegt

Hintergründe unbekannt - 1700 Polinnen befreit

Die kanadische Armee sollte von den Niederlanden aus ins Emsland vordringen. Bereits am 5. April 1945 passierte die 4. Canadian Armoured Division die niederländisch-deutsche Grenze. Nach der hartumkämpften Besetzung von Meppen wurde der Widerstand in Richtung Norden immer geringer. Auch in Lathen sollten die kanadischen Soldaten auf keine große Gegenwehr stoßen.

Lathen war lange Zeit von Kriegsschäden verschont gebliehen. Erst im Februar 1945 erfolgte ein Angriff von Bombern auf den Bahnübergang an der Melstruper Straße. Die Bomben verfehlten jedoch ihr anvisiertes Ziel. Statt dessen wurden das Arenbergische Forsthaus und der Bauernhof Middendorf zerstört.

Der Einmarsch der Alliierten sollte von den deutschen Truppen verhindert werden. Batterien der .Artillerie waren auf den Mühlenberg und auf dem großen Esch in Stellung gegangen. Der Volkssturm hatte Verteidigungssperren und Panzersperren an den Hauptverkehrsstraßen in Lathen gelegt. Als jedoch die Kanadier von Süden (Meppen) aus vorrückten, flüchteten die Deutschen. Am 8. April verließen die letzten deutschen Einheiten Lathen. An diesem Abend sollte zwar noch ein Volkssturmaufgebot in Kompaniestärke von Papenburg aus in Richtung Lathen vorrücken. Doch auch diese Einheit nahm in Lathen erst gar nicht den Kampf gegen die übermächtigen anrollenden Panzer auf.

Alliierte Truppen stießen auf keine Gegenwehr

Im Morgengrauen des 9. April 1945 rückten die ersten Soldaten der 4. Canadian Armoured Division in Lathen ein. Die alliierten Truppen stießen auf keine Gegenwehr, selbst die angelegten Panzersperren standen offen. Die Panzer fuhren weiter in Richtung Dörpen und Sögel. Bei dem Durchmarsch der ersten Soldaten kam es jedoch zu Zwischenfällen an der Lathener Hauptstraße. Die genauen Ursachen konnten bis heute nicht ermittelt werden. Fest steht nur, daß die Panzerschützen das Feuer eröffneten und 17 Häuser vollständig abbrannten, diverse andere wurden schwer beschädigt.

Am 12. April ging ein menschenverachtendes Kapitel deutscher Kriegsgeschichte im Emsland zu Ende. Die Deutschen hatten auf dem jetzigen Areal der Samtgemeinde Lathen in Oberlangen das Lager Stalag VI eingerichtet und hier auf engstem Raum 1700 polnische Frauen zusammengepfercht. Diese Frauen hatten sich im Herbst 1944 aktiv im Widerstand am Warschauer Aufstand gegen die deutschen Eroberer beteiligt. Nach ihrer Festnahme hatte man sie von Arbeitslager zu Arbeitslager geschickt.

Als polnische Soldaten von dem Lager hörten, machten sie sich sofort von Holland aus auf, um die Frauen zu befreien. Nach einem kurzen Gefecht mit der Wachmannschaft konnte eine polnische Panzerdivision die Frauen am 12. April 1945 befreien.


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